BIM.Infra Kongress 2026 in Dresden
Digitalisierung im Infrastrukturbau: Vom Konzept zur Umsetzung
Die Digitalisierung im Bau- und Infrastruktursektor ist längst kein Zukunftsthema mehr. Dennoch befindet sich die Branche weiterhin in einer Transformationsphase, in der neue digitale Methoden auf etablierte Prozesse treffen. Der BIM.Infra Kongress 2026, der vom 8. bis 10. März 2026 zum 7. Mal in Dresden stattfand, machte deutlich, dass die Diskussion inzwischen weniger um technische Möglichkeiten als vielmehr um deren konsequente Umsetzung in Projekten kreist.
Die zentrale Botschaft der Veranstaltung lautete: Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie muss messbare Verbesserungen bei Kosten, Geschwindigkeit und Qualität liefern – und sie muss von den beteiligten Menschen getragen werden.
Der Schirmherr des BIM.Infra Kongresses, Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (BMV), eröffnete die Veranstaltung. Er machte in seiner Rede deutlich: „Wir wollen Prozesse schneller, effizienter und transparenter gestalten. Klar ist: Wir müssen bei der Digitalisierung Tempo machen. Deshalb setzen wir auf Technologieoffenheit, Effizienz und Qualität - und auf die Stärke des deutschen Ingenieurwesens. Digitale Methoden, KI und modellbasierte Verfahren helfen, komplexe Projekte besser zu strukturieren und fundierte Entscheidungen zu treffen. Unser Ziel ist eine durchgängig digitale Arbeitsweise mit mobilen Anwendungen und Echtzeitdaten. Digital Only von Beginn an, bereits im Genehmigungsverfahren.
Anschließend weitete die Sächsische Staatsministerin für Infrastruktur und Landesentwicklung Regina Kraushaar (SMIL) den Blick von der Bundesebene auf Sachsen, die benachbarten Bundesländer sowie die Zusammenarbeit mit Polen und Tschechien. Sie stellte die Bedeutung der Digitalisierung für Entbürokratisierung und eine leistungsfähigere Verwaltung heraus.
Durch das Programm führte Frank Kebbekus sachkundig und zugleich unterhaltsam. Die offizielle Eröffnung erfolgte durch die Veranstalter Prof. Birgit Milius, Technische Universität Berlin und Präsidentin des Verbandes Deutscher Eisenbahningenieure e. V., Prof. Cornelius Preidel, Vorstandsvorsitzender von buildingSMART Deutschland e. V., sowie Dr. Veit Appelt von der BIM.Infra Kooperation der TU Dresden, TU München, TU Berlin und der Ruhr-Universität Bochum.
Traditionell widmet sich der erste Kongresstag den strategischen Zielstellungen und Weichenstellungen bei der Einführung digitaler Methoden in den Infrastrukturen Straße, Bahn und Energie. Im ersten Podium diskutierten Prof. Birgit Milius, Dr. Frank Brinkmann (Vorstandsvorsitzender Sachsen Energie AG/Vorstandsmitglied BDEW e.V.), Bernhard Knoop (Präsident BSVI), Dr. Christian Schlosser (Leiter des Referats G16 - Digitalisierung des Bauwesens, BMV) und Dr. Veit Appelt (BIM.Infra Kooperation) über die aktuellen Herausforderungen der Digitalisierung. Konsens bestand darin, dass Effizienzsteigerung, Beschleunigung und der Einsatz von KI entscheidend sind. Auch die Frage nach der Erhöhung des Budgets und dem Zusammenhang zwischen Digitalisierung der Infrastruktur und der Bereitschaft, Zusatzmittel des Sondervermögens mit mehr Effizienz zu einem Zuwachs der Kapazitäten zu führen, spielte eine große Rolle. Eine neue Sicht auf Infrastruktur Verkehr und Energie als kritische Infrastruktur und die erwarteten veränderten Anforderungen wie ein Lagebild Straße als digitales Echtzeitbild der Straße hinsichtlich des militärischen Logistikpotentiales wurde diskutiert.
Dr. Christian Schlosser (BMV) stellte Digitalisierung als Voraussetzung für Infrastrukturfinanzierung dar und präsentierte entsprechende Richtlinien des Bundesministeriums für Verkehr mit Digitalisierungsschwerpunkt Bau und Unterhaltung. Candy Friauf (DB AG) ordnete BIM in den digitalen Anlagenlebenszyklus ein. Im Anschluss erfolgte eine Vorstellung des neuen buildingSMART BIM.Infra-Zertifikates durch die Leiterin der Fachgruppe Zertifizierung Sarah Merz und den Verantwortlichen für das neue Zertifikat Dr. Veit Appelt von der BIM.Infra Kooperation. Ein besonderer Höhepunkt der Veranstaltung war BIM.Infra Students Award 2026 – eine Auszeichnung für "Beste studentische Arbeit – BIM.Infra Vorlesungsreihe".
Die Mittagspause wurde zum Netzwerken in der Fachwelt der circa 350 Teilnehmer genutzt. Auch wurde die Ausstellung der Sponsoren aktiv besucht. Danach zeigte Sebastian Pache (ESRI Deutschland GmbH) die Rolle von GIS und Big Data für integrierte Infrastruktursysteme.
Die Präsidentin des Fernstraßen-Bundesamtes Doris Drescher stellte das digitale Baurechtsverfahren für Straße und Bahn vor, das bereits im Einsatz ist. Im folgenden Vortrag bestätigte Silvia Haufe (50Hertz Transmission GmbH), diese Plattform ebenfalls zu nutzen. Demzufolge haben Straße, Bahn und Energie eine einheitliche Digitalisierungsstrategie des Genehmigungsverfahrens im Einsatz.
In der Podiumsdiskussion zur Planung und Genehmigung diskutierten Prof. Steffen Warmbold (VBI), Markus Reinhardt (DZSF), Anne Schacherl (DB InfraGO AG) und Dr. Dirk Ebersbach (VIA IMC GmbH) die Beschleunigung von Verfahren. Daniel Jonas (BVMB) formulierte Anforderungen an Auftraggeber und Bauwirtschaft, insbesondere zur strukturierten Übergabe von Planungsdaten und zur Nutzung von As-built-Modellen.
Ein Highlight war der Beitrag von Dr. Ali A. Elahwiesy (DB Bahnbau Gruppe GmbH) zum Hochleistungskorridor Berlin–Hamburg. Vorgestellt wurden Bestands-, Soll- und Ist-Modelle sowie die digitale Steuerung von Bauabläufen und Ressourcen. Die anschließende Diskussion mit Dr. Florian Auer (Plasser & Theurer), Mark Fisher (SPITZKE SE), Dr. Dirk Kunze (LTB Leitungsbau GmbH) und Jürgen Litsch (STRABAG AG) zeigte Hemmnisse wie unzureichende Datenverfügbarkeit und eingeschränkte Handlungsspielräume der Bauunternehmen.
Auch am zweiten Workshop-Tag spielte die Straße in den Vorträgen zur Digitalisierung der Infrastruktur eine herausragende Rolle. Bei einem Brückenspaziergang vom Hotel Bilderberg in die Seminarräume des Hyperion Hotels stellte der Brückenexperte Prof. Steffen Marx (TU Dresden) den aktuellen Planungsstand für den Wiederaufbau der Carolabrücke in Dresden vor. Im Anschluss präsentierte er im dem Workshop 1 Grundlagen faseroptische Sensorik für das Bestandsmonitoring von Brücken und ging detailliert auf die Elbequerung in der Sächsischen Schweiz in Bad Schandau ein, bei der Faseroptik eine entscheidende Rolle zur Beurteilung der Restlebensdauer spielte.
Dr. Kathrin Glab (GTNE GmbH) stellte internationale Normungsaktivitäten zu KI-Agenten vor. Ronny Zienert (Präsident Landesamt für Geobasisinformation Sachsen) präsentierte digitale Bestandszwillinge aus Kooperationen zwischen Sachsen und Nordrhein-Westfalen. Interessant für alle Ingenieurbüros war das neue Forschungsprojekt des Bundesministeriums für Verkehr, bei dem die Novellierung der HOAI und die zukünftige Integration von BIM Leistung und deren Vergütung in einem gerade gestarteten Forschungsprojekt vorgestellt wurden. Dr. Jürgen Hahn (MovingLayers GmbH) und Johannes Isensee (A+S GmbH Umwelt Energie) zeigten KI-Anwendungen im Geodatenmanagement.
Auch die Ergebnisse des BIM Fit Checks bei dem buildingSMART International Wettbewerb in Berlin zeigte beeindruckend, dass alle Softwarehersteller mitziehen, wenn es darum geht, einen möglichst offenen Datenaustausch zwischen den verschiedenen Systemen zu ermöglichen. Der Experte für IFC Štefan Jaud (Jaud IT GmbH) zeigte verschiedene Aspekte der verlustarmen Übertragung von Informationen zwischen den Systemen. Prof. Jörg Blankenbach (Geodätisches Institut und Lehrstuhl für Bauinformatik & Geoinformationssysteme, RWTH Aachen) präsentierte Ergebnisse zum Digitalen Zwilling mit Fokus auf Punktwolken und Linked Data. Jens Bartnitzek (A+S Consult GmbH) stellte modellbasierte Lärmberechnung in Echtzeit vor.
Im Workshop „Planung und Genehmigung mit BIM“ vertiefte Dirk Röder (Fernstraßen-Bundesamt) das digitale Genehmigungsverfahren. Jörn Kück (DEGES GmbH) und Kristin Storm (A+S Consult GmbH) präsentierten eine volldigitale Vorplanung für den Ausbau der A 1. Dr. Rico Steyer (AKG Software Consulting GmbH) und Štefan Jaud zeigten Open-BIM-Ansätze.
Im Bereich „Bau und Unterhaltung mit BIM“ demonstrierte STRABAG AG GmbH digitale Abrechnungsverfahren im Erdbau. Besonders eindrucksvoll war der Einsatz von BIM in einer Chipfabrik im Silicon Saxony, wo ein Projektvolumen von 5,4 Mrd. Euro innerhalb von Budget und Zeit realisiert wurde. Dr. Marcel Gottschall (A+S Consult GmbH) stellte die Digitalisierung von Baustellenprozessen mit Fokus auf Echtzeit- und Multi-User-Fähigkeit vor.
Der Kongress verdeutlichte, dass digitale Methoden in allen Phasen des Infrastrukturlebenszyklus verfügbar sind. Entscheidend bleibt jedoch ihre konsequente Anwendung. Offene Schnittstellen, verlässliche Daten und klare Prozesse wurden als zentrale Erfolgsfaktoren identifiziert.
Der nächste BIM.Infra Kongress findet vom 11. bis 13. April 2027 in Dresden statt.